Dienstag, 11. Dezember 2007

Das Bäumchen das zuviel dachte...

Ich habe heute meine Deutsch-Schularbeit zurückbekommen und dachte mir einfach, ich stelle das mal hier rein. Kommentare erwünscht =)

Ich war ein Bäumchen in der Fußgängerzone, dem es an nichts fehlte. Die Sonne schien direkt auf meine Blätter, es kam genügend Wasser zu meinen Wurzeln und ich wurde groß und stark. Am Anfang war ich ganz klein, zerbrechlich und zart gewesen. Meine Mutter, die immer neben mir stand, befürchtete immer, dass ich den Winter nicht überleben würde. Ich hatte das auch befürchtet denn der Schnee überdeckte mich ganz und ich dachte ich würde daran ersticken. Aber dann lernte ich, wie ich unter dem Schnee atmen konnte, und mir wurde klar, dass mich der Schnee, der mir am Anfang so kalt und grausam erschienen war, mich immer beschützt hatte, vor etwas wirklich Grausamen: dem Wind. Wenn er wirklich wütend war, dann peitsche er uns, war kalt, bog uns zuerst in die eine, dann in die andere Richtung. Ich hasste ihn, aber wenn er uns sein eigenes, kaltes Lied vorpfiff, dann noch viel mehr. Außerdem zerstörte er alle meine Blätter, die dann sterbend auf den Boden fielen, wo die Menschen einfach auf sie traten. Dabei konnte ich nicht verstehen, wieso diese Menschen so grausam waren.Was hatten ihnen denn meine armen, kleinen Blätter angetan, dass sie auf sie traten, sie in den Schmutz warfen oder einfach mit diesem fürchterlichen Gerät kamen, das so viel Lärm machte und sie immer davonblies. Dieses Gerät war noch viel schlimmer als der Wind! Doch egal, was geschah, ich versuchte glücklich zu sein. Glücklich über die schönen Momente in meinem Leben. Ich freute mich, wenn die Vögel in meinen Ästen ihre Nester bauten, wenn hin und wieder ein Eichhörnchen auf mich kletterte oder wenn die Sonne war auf meine Blätter schien. Wenn die Pilze im Boden mir halfen, Wasser, Salze und Vitamine aufzunehmen. Ich mochte die Pilze sehr. Sie waren gute, kleine Freunde und wir halfen uns gegenseitig. Wir stritten uns nie. Die kleinen Tiere im Boden brachten mich immer zum Lachen, wenn sie an meinen Wurzeln entlangkrabbelten. Das kitzelte! Aber dann im Herbst kamen wieder diese schrecklichen Geräte und bliesen mir meine gefallenen Blätter weg. Daran gewöhnte ich mich irgendwann, schließlich konnte ich nichts dagegen tun, aber dann kamen auf einmal ganz viele Menschen in großen, farbigen Blechbüchsen angerollt und verschmutzten die ganze Luft. Mir wurde immer öfter übel und meine Atmungsorgane wurden von Tag zu Tag schwächer. Wieso taten die Menschen mir so etwas an? Womit hatte ich das verdient? War ich denn so ein schlechter Baum, dass ich ersticken sollte? Eigenartigerweise aber schienen diese Büchsen, die meine Mutter „Autos“ nannte, ihr nichts auszumachen und sie erklärte mir, dsas es unsere Aufgabe ist, deren schreckliche aufzunehmen und in gute Luft zu verwandeln. Mir gefiel zwar die Vorstellung etwas Gutes zu tun, aber wieso genau für die Menschen? Sie machten ihre und unsere Luft selbst schmutzig und wollten dann, dass wir ihre Fehler ausbesserten? Nein! Ich weigerte mich, doch mein Zustand wurde von Tag zu Tag schlechter und schließlich säuberte ich die Luft. Es gefiel mir keineswegs diesen dummen Menschen zu helfen, aber ich wollte nicht sterben. Nicht wegen diesen dummen Geschöpfen!
Die Tage, Wochen, Monate und Jahre vergingen und ich stand immer an derselben Stelle. Ich sah die gleichen Menschen vorbeigehen, die gleichen Kinder, die an meiner Rinde zupften und zogen und mir fürchterlich weh taten, und wurde des Lebens leid. Es gab nichts Neues zu entdecken, alles war immar gleich. Manchmal verströmten die Menschen eine stinkende, gelbe Flüssigkeit auf mich, genauso wie die Hunde, und obwohl ich nicht wusste, was es war, war ich mir sicher, dass es nichts Gutes war. Wann hatte denn der Mensch schon einmal etwas Gutes für uns Bäume getan? Ich wäre am Liebsten fortgelaufen, irgendwohin, wo es keine Menschen gab, aber meine Wurzeln hielten mich an Ort und Stelle gefangen. Bis einmal eines Tages ein Mensch mit einem dieser lauten Geräte kam. Ich hatte fürchterliche Angst, und das Leben, das mir schon egal geworden war, bedeutete mir wieder alles. Der Mensch setzte dieses Gerät an meinen Stamm und tat mir weh! Er trennte mich von meinen Wurzeln. Ich schrie und heulte, doch der Mensch schnitt immer weiter. Immer tiefer in und durch mich hindurch, bis ich kraftlos zu Boden sank. “Und euch verdammten Geschöpfen hatte ich geholfen.“, war mein letzter Gedanke bevor mich die Dunkelheit einhüllte.
Ich weiß nicht, wie lange das her ist, aber das spielt auch keine Rolle mehr. Heute bin ich irgendein Gegenstand, die Menschen nennen mich „Tisch“ und stellen ständig irgendwelche widerlichen Dinge auf mich. Letztens hatte ein kleiner Mensch irgendetwas Nasses auf mir verschüttet, es hatte ganz schrecklich gejuckt und klebte an mir oder an dem, was von mir übrig ist. Ich habe keine Wurzeln mehr, keine Blätter, ich habe einfach gar nichts mehr. Früher hatte ich meine Freunde und Familie, dich ich sehr liebte, doch hier hatte ich niemanden. Noch nicht einma den Tod, den ich mir jetzt von Herzen wünsche. Ich existiere zwar noch, aber in dem Moment, in dem man mich abgeschnitten hatte, hatte ich aufgehört zu leben. Verdammte Menschen! Sie zerstören sich selbst, und uns andere Lebewesen gleich dazu! Aber es ist egal, denn ich fühle nichts mehr. Weder Schmerz, Trauer oder Wut. Einfach gar nichts. Man hat mir alles genommen. Sie haben mir das Schlimmste angetan. Nein... mir kann niemand mehr weh tun.

Copyright Sarah Ducellari 2007

Kommentare:

NBB hat gesagt…

Hallo Sarah,

total klasse!! Es gefällt mir wirklich gut, wie du nur in der Sichtweise des Baumes bleibst, der von seiner Umgebung bzw. den Menschen so wenig versteht und mit sich selbst zufrieden ist. Und den Würmern, die ihm an den Wurzeln kitzeln. :)

Hast du wenigstens eine 1 dafür bekommen? :)

Sarah Ducellari hat gesagt…

Danke :) Nein leider, da wir noch einen Fragebogen ausfüllen mussten und der nicht so toll war. Aber ich habe eine 2 bekommen, obwohl Inhalt und Aufbau eine 1 waren.. und Rechtschreibfehler hatte ich 5 in 939 Wörtern..

Die Hüterin von Avalon (Ravens of Avalon) - Marion Zimmer Bradley

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